Vier Wasserfälle im Husedal

Der Sonntag heißt nicht umsonst Sonntag, denn es war sonnig. Nach Frühstück und Reisevorbereitung starteten wir das Abenteuer Husedalen. Die Natur und die berühmten vier Wasserfälle stehen für dieses Kleinod bei Kinsarvik. Um 10 Uhr nahmen wir die Fähre in Bruravik und setzten nach Brimnes über. In Kinsarvik folgten wir dem Wegweiser „Husedalen“, nutzten die Zufahrtsstraße entlang des Kinzo bis an das Kraftwerk von 1907. Hier stehen einige Parkplätze zur Verfügung. Allerdings erfolgt die Benutzung des engen Weges auf eigene Verantwortung. Auch muss bei Gegenverkehr ganz schön gezirkelt werden. Aber wir kamen wohlbehalten an, auch wenn ein sturer norwegischer Wanderer partout uns nicht vorbei lassen wollte und unbeirrt seinen Weg fortsetzte. Selbst seine Frau, die kurz am Weg anhielt und ihn mehrmals aufforderte, uns passieren zu lassen, quittierte dessen Haltung kopfschüttelnd. Wir wollten keinen Ehekrach riskieren und den ungestümen Wanderer nicht in seinem Tatendrang beeinträchtigen, fuhren gemächlich dem Nordmann hinterher, bis wir ihn an einer Ausweichbucht auch überholen konnten.
Direkt am Kraftwerk sieht man die erste Fallstufe Tveitafoss. Da ist genug Kraft für Strom vorhanden. Ein Norweger hatte meine Kletterei auf den Steinen vor dem Wasserfall mit dem Fotoapparat beobachtet und sprach mich auf Englisch an. Ich hätte doch auch eine Canon 7D – steht groß auf dem Kameragurt – und die wäre doch ganz toll. Ich bestätigte ihm das gern, bin ich doch mit meinem Apparat sehr zufrieden. An der Auseinandersetzung Canon versus Nikon beteilige ich mich nicht, da ich mit Nikon keine Erfahrungen habe. Ich bin damals auf Anraten von Dieter, unseres Chefs der Ornithologengruppe in Torgau, zu Canon gekommen. Und da das gesamte Zubehör auf Canon abgestimmt ist, bleibt man einmal bei seiner Wahl. Freudig lockte er mich zu seinem Wohnmobil, an dem zwei kleine blonde Kinder, noch nicht im schulpflichtigen Alter, spielten. Seine Frau reichte ihm einen Rucksack heraus und stolz präsentierte er mir seine L-Objektive. Das war schon eine Augenweide und ein paar von den Schmuckstücken hätte ich auch gern genommen. Aber es hat eben alles seinen Preis. Ich versicherte ihm nochmals, dass er eine auserlesene Ausrüstung hat, die mir auch gefallen würde und er sehr stolz darauf sein kann. Das freute ihn. Er wolle oben auch fotografieren, aber er müsse noch zusätzlich den kleinen Jungen tragen. Wir wünschten uns „God tur!“ und begannen den Marsch entlang des Schotterweges, der sich serpentinenartig den Hang hochwand. Den direkten Pfad an der Fallleitung des Kraftwerkes überlassen wir den Fjellwanderern. Die zweite Fallstufe - der 180 Meter hohen Nyastølfoss -  war bald erreichte. Die Sonne brannte erbarmungslos, die Transpiration lief auf Hochtouren. Schatten war nicht vorhanden. Erst als der Schotterweg endete, führte ein schmaler Wanderpfad durch die Bewaldung. Hier trifft man auf alle anderen Wanderer, egal, welchen Ausgangspunkt diese wählten. Dann erschien die dritte Staustufe - 80 Meter hohe Nykkjesøyfoss -  an einem kleinen See, an dem wir einen Augenblick verweilten. Das Wasser war so klar, dass eine Erfrischung uns gut tat.  Andere Wanderer hatten die gleiche Idee.  Dann kam das letzte Stück zur vierten Fallstufe. Der schmale Pfad führte über nassen Fels über die Baumgrenze. Der Weg zum Kessel war kaum zu erahnen, das Moos hatte sich mit Wasser vollgesogen und jeder Schritt wurde mit einem lauten Schmatzen begleitet. Trotz Trekkingschuhe fand so manche Wassermasse ihren Weg in das Innere. Aber der Anblick des letzten Wasserfalles entschädigte für alles. Zweistufig floss der Søtefoss mit etwa 240 Metern in 2 Stufen über eine schroffe Felskante von der Hardangervidda herunter. Obwohl sich eine dicke Wolke vor die Sonne schob und das Wasser nicht mehr so im Licht glitzerte, war der Foss sehr beindruckend. Wir entschieden uns für eine längere Rast, nutzten auch die zahlreichen, wohlschmeckenden Moltebeeren zum Verzehr.   Allerdings wehte hier oben ein rauer Wind, eine Jacke war unbedingt notwendig. Zahlreiche Wanderer mit schweren Rucksäcken stiefelten schwer gebeugt weiter zur Hochebene, ihr Ziel war sicher die DNT-Hütte Stavali, die oben stand. Es ist eben ein Wandervolk, die Norweger. Der Rückweg verläuft im Allgemeinen schneller, obwohl das ständige bergab auch die Waden strapazierte.  Nach sechs Stunden waren wir wieder auf dem Parkplatz angelangt, jetzt wieder bei strahlendem Sonnenschein. Trotz zahlreicher Film- und Fotopausen, dazu die Rast an der vierten Fallstufe lagen wir im Zeitlimit. Mein norwegischer Fotofreund war schon abgereist. Da er uns nicht überholte, hatte er die Spitze wohl nicht erreicht. Auch keine Schande mit den kleinen Kindern. Um 17 Uhr aßen wir „Mittag“ und genossen noch den Anblick des Tveitfossen am Kraftwerk.  Eine belgische Familie wollte nur bis zur zweiten Fallstufe, da es schon spät war und der Vater sich nicht mehr so quälen wollte, wie uns der Sohn auf Englisch mitteilte. Gut, der Weg war leicht erklärt und wenn man den Schotterweg nutzte, kam man direkt daran vorbei. Aber nicht mehr quälen? Auch der Weg musste die Steigung des Tales  überwinden und die merkte man in den Beinen. Also – god tur!
Den Abend nutzten wir noch zu einem Abstecher nach Eidfjord. Schließlich war die Fähre bezahlt und es hier lange hell. Außerdem wirkte das Licht weich und warm, vielleicht ergab sich eine gute Möglichkeit, noch ein schönes Bild zu komponieren. Der Souvenirshop war zwar reichlich gefüllt, allerdings die Preise lagen sehr weit über dem Durchschnitt. Man merkt, dass hier zahlreiche Bus- und Kreuzfahrtreisende Halt machen und bei der Jagd nach Andenken nicht so auf die Preise schauten. In der Provinz kosteten die gleichen Dinge nur noch die Hälfte des ausgewiesenen Preises.  Auf dem bewachsenen Dach des Restaurants faszinierten uns wieder einmal die Ziegen, die dort oben lebten und das Gras kurz hielten. Eine schöne ökologische Art der Dachpflege. In Eidfjord selbst war noch Urlauberbetriebsamkeit. An den Bänken und Außentischen saßen noch fröhlich gestimmte Menschen, tranken, aßen und unterhielten sich. In dem ganzen Stimmgewirr entdeckten wir auch zahlreiche Landsleute. Als es dämmerte, brachen wir auf und fuhren zum Fähranleger. Man merkt bei diesem schönen Licht gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht.
So ging ein ereignisreicher Tag mit einem schönen Sonnenuntergang zu Ende. Direkt von unserer Hütte sahen wir zu, wie sich Himmel und Bergwelt von Kinsarvik von orange ins rötliche Licht färbten. Das ist Balsam für die Seele. 

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